Das BIO Siegel

Das BIO Siegel signalisiert, daß das Saatgut gemäß den Richtlinien des biologisch - ökologischem Landbau hergestellt wird.

Auszug aus den EU-Vorschriften, veröffentlicht von der Prüfstelle "Austria Bio Garantie":

Allgemeine Anforderung zur Biokontrolle und Zertifizierung von Verarbeitungsbetrieben

1 Einleitung

Die Grundlage für die Erzeugung von Bio-Produkten in Österreich bzw in der Europäischen Union (EU) ist generell durch zwei Rechtsvorschriften bestimmt - durch die EU-Verordnung VO (EWG)2092/91 idgF. und durch den Österreichischen Lebensmittelcodex Kapitel A8, Teilkapitel B idgF. Beide Rechtsvorschriften können Sie auf unserer Homepage >www.abg.at< herunter laden. Infolge werden bei den weiteren Erläuterungen Artikelnummern der VO (EWG) 2092/91 idgF als Bezugspfade hochgestellt angeführt.

Zusätzlich zu den in der EU generell gültigen Rechtsvorschriften existieren noch zusätzliche staatliche Richtlinien (zB NOP Richtlinien in den USA) und/oder privatrechtliche Richtlinien (zB Verbandsrichtlinien des Verbandes Bio-ERNTE-Austria, Demeter,...). Der Großteil dieser Zusatzrichtlinien kann von der Austria Bio Garantie (ABG) kontrolliert und zertifiziert werden. Information zu weiteren Richtlinien erhalten Sie über unsere Homepage >www.abg.at<.

2 Anwendungsbereich/Kontrollvertrag/Zertifikat

Anwendungsbereich
Jedes Unternehmen, das mit dem Ziel der Vermarktung Bio-Produkte erzeugt, aufbereitet oder aus einem Drittland einführt unterliegt der Kontrollpflicht (Art 1; Art 8).

Abschluss des Kontrollvertrages
Ab Unterzeichnung des Bio-Kontrollvertrags gilt Ihr Betrieb als Bio-Betrieb und wird der Lebensmittelbehörde als solcher gemeldet. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Sie Bio-Produkte entsprechend dem oben erwähnten Anwendungsbereich vermarkten. Somit sind Sie verpflichtet, die Bio-Bestimmungen für die Herstellung von Bioprodukten einzuhalten. Den Zertifizierungsnachweis erhalten Sie erst nach positiv abgeschlossener Bio-Kontrolle. Sollten im Zuge der ersten Bio-Kontrolle Abweichungen zu den relevanten Bestimmungen auftreten, werden Fristen zur Behebung der Mängel vereinbart. Bei Ablauf dieser Fristen müssen die Abweichungen behoben sein.

Zertifikat
Nach der/den jährlichen Bio-Kontrolle/n erhalten Sie ein Zertifikat. Auf diesem Dokument sind alle Ihre Bio-Produkte (direkt oder über Geltungsbereiche definiert) aufgelistet. Dieses Zertifikat ist der Nachweis, dass ihre Produkte gemäß der VO (EWG) 2092/91 hergestellt werden.

3 Grundanforderungen zur Aufnahme in das Kontrollverfahren (Anhang III)

Bei Aufnahme der Unternehmen in ein Kontrollverfahren muss das betreffende Unternehmen
- eine vollständige Beschreibung der Einheit und/oder der Anlagen und/oder der Tätigkeiten erstellen und
- alle konkreten Maßnahmen festlegen, die auf Ebene der Einheit und/oder der Anlagen und/oder der Tätigkeiten zu treffen sind, um die Einhaltung der Vorschriften der Bio-Verordnung zu gewährleisten.
Zur Vereinheitlichung dieser notwendigen Beschreibung hat die ABG strukturierte Formulare entwickelt (Formular ABG V26, V26.01 und V26.02). Sie können diese Formulare bei der ABG anfordern oder auch von unserer Homepage >www.abg.at< herunter laden. Diese Dokumente müssen vollständig und aktuell ausgefüllt und unterzeichnet vorliegen und dienen zusammen mit einem Betriebsplan und Organigramm mit den für "Bio" relevanten Einheiten bzw. Personen als Basis für die Erstkontrolle und Zertifizierung.

4 Notwendige Aufzeichnungen für die Biokontrolle (Anhang III Absatz 6)

Um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften im Rahmen der Biokontrolle überprüfen und die "Geschichte" des Bioprodukts nachvollziehen zu können, muss ein bestimmtes Mindestmaß an Aufzeichnungen geführt und für die Kontrolle bereit gehalten werden.

Anlässlich der mindestens einmal jährlich erfolgenden Kontrolle hat der Lizenznehmer nachzuweisen, dass er die Richtlinien der VO (EWG) 2092/91 idgF zusammen mit den österr. Codexrichtlinien Kapitel A8 und gegebenenfalls den Richtlinien anderer Lizenzpartner (Verbände oder länderspezifische Bio-Richtlinien) einhält und eingehalten hat. Ein zentraler Punkt dieser Kontrolle ist die Warenflussprüfung. Der Lizenznehmer hat dabei zu belegen, dass ausreichend Bio-Rohstoffe (oder gegebenenfalls Rohstoffen zusätzlicher Verbandsrichtlinien) eingekauft wurden, um die entsprechenden Bio-Produkte herzustellen. Dies unter Berücksichtigung von Rezepturanteilen, Ausbeuten und Lagerinventaren. Für die Zertifizierung der Bio-Produkte muss dieser Abgleich durchführbar und stimmig sein.
Zentrale Voraussetzung für die Durchführung einer Warenflussprüfung ist das vollständige Vorhandensein der oben genannten Dokumente. Eine Warenbuchhaltung auf EDV oder eine manuell erstellte Übersicht der Rohstoffeinkäufe und Produktverkäufe sowie der Produktionsaufzeichnungen kann den Aufwand für die Warenflussprüfung stark reduzieren und hilft Kontrollkosten zu sparen!

Folgende Unterlagen sind zu sammeln und gegebenenfalls in Übersichtstabellen aktuell zu führen:

- Eine Liste aller zugekauften landwirtschaftlichen Erzeugnisse sowie der verwendeten Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe zusammen mit den Namen und der Anschrift der jeweiligen Lieferanten sowie dem Nachweis, dass es sich bei den zugekauften Produkten um ein Bioprodukt bzw. ein erlaubtes konventionelles Produkt handelt. Als Nachweis dienen das aktuell gültige Bio-Zertifikat des Lieferanten, Produktetiketten und Warenbegleitpapiere, die den Biohinweis in der vorgeschriebenen Form und die Codenummer der Kontrollstelle zu enthalten haben.
- Lieferscheine bzw. Rechnungen
- Rezepturen
- Zur Nachvollziehung der verarbeiteten Menge der einzelnen Rohstoffe dienen Produktionsaufzeichnungen.

5 Rohstoffbeschaffung

Zutaten aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft (Art 5)
Grundsätzlich dürfen in einem verarbeiteten Bio-Produkt lediglich landwirtschaftliche Erzeugnisse enthalten sein, die selbst aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen. In der Praxis gilt das von einer Biokontrollstelle vergebene gültige Zertifikat als Nachweis für die kontrolliert biologische Herkunft.
Vor der ersten Lieferung ist von jedem einzelnen Lieferanten eine Kopie des Zertifikates zu verlangen. Die Gültigkeit sowie die zertifizierten Produkte bzw. der Geltungsbereich ist auf jedem Zertifikat zu überprüfen.
Auf den Warenbegleitpapieren (Art 5d sowie Anhang III Absatz 7) der übernommenen Ware (Lieferscheine, Rechnungen,...) muss neben dem Bio-Hinweis (Bio; Öko; kbA; kbL;...) auch der Name und/oder die Codenummer der für den jeweiligen Lieferanten zuständigen Bio-Kontrollstelle ersichtlich sein (zB Biokontrollstelle: Austria Bio Garantie oder AT-N-01-BIO)

Zutaten konventionellen landwirtschaftlichen Ursprungs
Trotz des Grundsatzes, dass in einem Bioprodukt ausschließlich landwirtschaftliche Zutaten aus biologischer Landwirtschaft enthalten sein dürfen, ist es gemäß EU-Verordnung erlaubt, ganz bestimmte Zutaten auch in konventioneller Qualität für die Herstellung eines Bioprodukts einzusetzen. Diese Liste der auch in konventioneller Qualität erlaubten landwirtschaftlichen Zutaten finden Sie in Anhang 1. Für andere unbedingt benötigte Zutaten, die nicht in biologischer Qualität erhältliche sind, kann bei der zuständigen Lebensmittelbehörde um eine befristete Ausnahmegenehmigung angesucht werden.

Weiters ist auch vorgegeben, wie viel von diesen konventionellen landwirtschaftlichen Zutaten in einem Bioprodukt enthalten sein darf. Insgesamt dürfen diese erlaubten konventionellen landwirtschaftlichen Zutaten in einem Bioprodukt nur in einem Ausmaß von maximal 5% bezogen auf das Gesamtgewicht aller im Bioprodukt enthaltenen landwirtschaftlichen Zutaten verwendet werden. Werden diese 5% überschritten, so ist die betreffende Zutat trotz der eigentlichen "Erlaubnis" somit dennoch zur Gänze in biologischer Qualität einzusetzen!
Vorsicht:
Diese Mengenbeschränkung gilt nur für konventionelle landwirtschaftlich Zutaten und nicht für erlaubte Zusatz- und/oder Hilfsstoffe (nicht landwirtschaftliche Zutaten/Hilfsstoffe).

Zutaten nicht landwirtschaftlichen Ursprungs - Zusatzstoffe und Hilfsstoffe
Ein Grundsatz in der Verarbeitung von Bioprodukten ist der weitgehende Verzicht auf Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe, sofern diese für die Herstellung des Bioprodukts nicht unbedingt benötigt werden. Die Liste der für Bioprodukte zulässigen Stoffe ist daher wesentlich kleiner als jene für konventionelle Lebensmittel. Eine zusammengefasste Auflistung einschließlich etwaiger Anwendungsbeschränkungen finden Sie in Anhang 1.
Für nicht landwirtschaftliche Zutaten (Zusatz- und Hilfsstoffe), die laut Positivliste im Anhang 1 erlaubt sind, gibt es keine Mengenbeschränkung.

Besonderheiten:
- Neben dieser allgemeinen Grundregel gibt es noch eine spezielle Regelung der sogenannten "70% Produkte". Diese Regelung besagt, dass laut Positivliste erlaubte, konventionelle Zutaten nicht nur bis zu max. 5% sondern bis zu 30% verwendet werden können, jedoch dieses Produkt in der Verkehrsbezeichnung in diesem Fall nicht die Bezeichnung "Bio-..." tragen darf, sondern mit einem vorgegeben Pflichttext zu versehen ist (näheres dazu in Absatz 6 "Auslobung/Etikettierung"). Die wirtschaftliche Bedeutung der 70% Produkte ist allerdings sehr gering.

- In der freien Natur gesammelte, essbare Wildpflanzen (Beeren, Pilze...) dürfen nur dann als "Bio" im Sinne der Verordnung bezeichnet und als Zutat für ein Bioprodukt verwendet werden, wenn diese Flächen in die Biokontrolle einbezogen und anerkannt wurden.

- Ebenso ist im eigenen Garten geerntetes Obst und Gemüse nur "biologisch" im Sinne der Verordnung und somit für Bioprodukte erlaubt, wenn der Garten als Biofläche von einer Kontrollstelle kontrolliert und anerkannt wurde.

- Der Einsatz von pflanzlichen Erzeugnissen, die im Rahmen der Umstellung auf die biologische Landwirtschaft hergestellt wurden, ist für verarbeitete, als "Bio" bezeichnete Produkte nicht erlaubt. Umstellungsware darf nur mehr zu sog. "Monoprodukten", weiterverarbeitet werden. Darunter sind Produkte zu verstehen, die nur eine einzige landwirtschaftliche Zutat enthalten. Außerdem darf dieses Monoprodukt nicht als "Bio" bezeichnet werden, sondern ist mit einem genau vorgegebenen Pflichttext zu versehen (Siehe spätere Kapitel zu "Auslobung/Etikettierung"!).
Zu beachten: Der Begriff "Umstellungsware" existiert im Verarbeitungsbereich nur für pflanzliche Rohstoffe. Es gibt keine tierische "Umstellungsware"!

6 Auslobung/Etikettierung (Art 5)

Das erklärte Ziel der VO (EWG) 2092/91 idgF ist die EU-weit einheitliche Regelung der biologischen Landwirtschaft und die klare Abgrenzung gegenüber "naturnahen", "umweltfreundlichen" oder "aus integrierter Landwirtschaft" stammenden Produkten. Diese Begriffsvielfalt stiftet Verwirrung und fördert das Misstrauen der Konsumenten gegenüber der biologischen Landwirtschaft im allgemeinen. Es war klar, dass die Erzeugnisse dieser rechtlich genau definierten landwirtschaftlichen Produktionsmethode auch eine rechtlich definierte Bezeichnung erhalten mussten, die dem Konsumenten klar und unmissverständlich zu verstehen gibt, dass es sich hierbei um ein echtes Bioprodukt handelt.

Für Österreich lautet diese vorgeschriebene Bezeichnung "aus biologischer Landwirtschaft" oder "aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft" und ist verpflichtend auf jedem Etikett eines Bioprodukts sowie auf sämtlichen Warenbegleitpapieren anzuführen. Auf den Etiketten von Bio-Produkten für den Letztverbraucher muss laut allgemeinem Lebensmittelkennzeichnungsgesetz die oben erwähnte vorgeschriebene Bezeichnung ausgeschrieben angeführt werden. Auf den Warenbegleitpapieren dürfen zum Unterschied zu dieser Zusatzregelung auch Kürzel verwendet werden (Öko, Bio, kbA, kbL,...).
Statt "biologisch" kann auch der Begriff "ökologisch" und statt "Landwirtschaft" kann auch der Begriff "Landbau" oder "Anbau" verwendet werden. Die Abkürzungen "kbA" oder "kbL" für "kontrolliert biologische Landwirtschaft" bzw. "Anbau" sind ebenfalls erlaubt und oft zu finden. Zusätzlich zu diesem Hinweis muss auf den Etiketten und Warenbegleitpapieren auch der Name und/oder die Codenummer der Kontrollstelle angeführt sein. Die Codenummer der Austria Bio Garantie lautet AT-N-01-BIO. Nähere Info dazu können Sie als Fallbeispiele von der ABG anfordern (Info I bis III Kennzeichnung).
Die Bezeichnung für ein Bio-Brot kann z.B. folgendermaßen lauten. "Bio-Brot"..." aus biologischer Landwirtschaft" oder "Brot aus kontrolliert biologischem Anbau". Die Bezeichnung "Bio-Brot" alleine reicht jedoch nicht aus, da der vorgeschriebene Hinweis auf die landwirtschaftliche Produktionsmethode - "aus biologischer Landwirtschaft"- fehlt. In der Zutatenliste am Etikett müssen zusätzlich die einzelnen Bio-Zutaten z.B. mittels * bei der Zutat und dem unten angeführten Hinweis "aus biologischer Landwirtschaft" extra gekennzeichnet werden. Ebenso ist der Name oder die Codenummer der Kontrollstelle anzuführen.

Es ist nicht erlaubt, ein Erzeugnis mit einem Hinweis auf die biologische Landwirtschaft in Verkehr zu bringen, wenn auch nur ein einziger Punkt der gesetzlichen Vorschriften nicht vollständig erfüllt wird. So ist es beispielsweise verboten, im Zutatenverzeichnis Zutaten aus biologischer Landwirtschaft als solche zu kennzeichnen, wenn im Produkt auch konventionelle landwirtschaftliche Zutaten enthalten sind, die nicht in der Positivliste des Anhanges 1 angeführt sind. - Nach den Vorschriften der EU-Verordnung ist dies nicht erlaubt und das Endprodukt darf somit in keiner Weise mit einem Hinweis auf die biologische Landwirtschaft gekennzeichnet werden.

Auch die Kennzeichnung eines Bioprodukts ist gesetzlich durch die VO (EWG) Nr. 2092/91 idgF genau festgelegt. Der korrekte Wortlaut, der ein echtes Bioprodukt als solches "identifiziert", lautet "aus biologischer Landwirtschaft" oder "aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft". Ein Produkt, das die Anforderungen der Verordnung nicht vollständig erfüllt, ist kein echtes Bioprodukt und darf somit auch in keiner Weise einen Hinweis auf die biologische Landwirtschaft enthalten!

Besonderheiten:
- Die schon erwähnten sog. "70%-Produkte", die bis zu 30% konventionelle landwirtschaftliche Zutaten aus der Positivliste des Anhanges 1 enthalten, dürfen nicht mit dem Kürzel "Bio" versehen werden, sondern müssen folgenden Pflichttext im Sichtbereich der Verkehrsbezeichnung aufweisen: "x% der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs sind nach den Grundregeln für die biologische Landwirtschaft gewonnen worden", wobei "x" dem Anteil der eingesetzten Biozutaten entspricht. Zudem sind in der Zutatenliste alle aus der biologischen Landwirtschaft stammenden Zutaten eindeutig als solche zu kennzeichnen.

- Umstellungsware darf, wie im Kapitel 3.1 schon beschrieben, nur zu sog. "Monoprodukten" weiterverarbeitet werden, die zudem auch nicht als "Bio" bezeichnet werden dürfen sondern den Pflichttext: "hergestellt im Rahmen der Umstellung auf die biologische Landwirtschaft" zu tragen haben.
Zur Erinnerung: Es gibt keine tierische "Umstellungsware"!

- Seit 01.07.1998 muss Rindfleisch, das mit Angaben wie zB "Bio" oder "vom Bauer XY" etc. verkauft wird, entsprechend den Richtlinien der EU Verordnung 1760/2000 idgF etikettiert werden. Die praktische Umsetzung dieser Rindfleischetikettierungsverordnung zur Einhaltung der Richtigkeit der Angaben ist in einer Spezifikation festgelegt und muss von der AMA zugelassen werden. Die Austria Bio Garantie bietet die Kontrolle der Spezifikation VUQS-R vom Verein zur Ursprungs- und Qualitäts-Sicherung an!